Anatol

Arthur Schnitzler

Anatol

Theater in der Josefstadt

Premiere: 17. 12. 2105

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Besetzung

Regie
Herbert Föttinger
Bühnenbild
Walter Vogelweider
Kostüme
Alfred Mayerhofer
Choreografie
Simon Eichenberger
Choreografische Assistenz
Steven Seale
Dramaturgie
Ulrike Zemme
Licht
Emmerich Steigberger
Musik & Musikalische Leitung
Christian Frank
Klavier
Johanna Gröbner
Cello
Rina Kaçinari / (Sophie Abraham)
Klarinette
Mona Matbou Riahi
Anatol
Michael König
Max
Peter Matić
Fritzi
Martina Ebm
Else
Martina Stilp
Emilie
Julia Edtmeier
Annette
Karoline Kucera
Berta
Maria Urban
Bianca
Salka Weber
Cora
Alma Hasun
Annie
Katharina Straßer
Ilona
Sandra Cervik
Gabriele
Andrea Jonasson
Ein Kellner/Franz, Diener
Josef Ellers

Inhalt

In der Fassung von Peter Turrini und Herbert Föttinger treffen einander die Freunde Anatol und Max wieder und erinnern sich gemeinsam an Anatols amouröse Abenteuer.

Kaum ein Drama der Wiener Moderne hat das geistige Klima des Fin de Siècle so nuancenreich eingefangen wie Arthur Schnitzlers berühmtes Erstlingswerk Anatol. Die Einaktersammlung, die Ende 1892 erstmals in Buchform erscheint, markiert sogleich einen Höhepunkt im dramatischen Schaffen Arthur Schnitzlers: Sie exponiert nahezu alle Themenkomplexe seines Gesamtwerks.

Schnitzlers Protagonist gibt sich als wohlhabender Junggeselle zu erkennen, der die Lebensgewohnheiten der Wiener Oberschicht verachtet und deren Wertmaßstäbe konsequent ignoriert, obwohl er selbst als begüterter Rentner der aus der Aristokratie und Bourgeoisie zusammengesetzten leisure angehört. Während seine Standesgenossen Repräsentationsaufgaben anstreben und öffentlichen Einfluss zu gewinnen versuchen, zieht sich Anatol ins Private zurück und kultiviert das flüchtige amouröse Abenteuer, das ihm in beständigem Wechsel junge Frauen aus der Vorstadt und aus der Boheme, gelegentlich indessen auch sexuell frustrierte Damen aus dem großbürgerlichen Salon zuführt. Das leidenschaftliche, gleichwohl von Beginn an zeitlich begrenzte Liebesspiel drückt Anatols Protest gegen dem vom ökologischen Geist der Gründerzeit geprägten Lebensstil aus. Zugleich offenbaren die Liebesbegegnungen jedoch auch sein widersprüchliches Glücksverlangen und seine Sehnsucht nach existenzieller Sinnerfahrung. Schnitzlers Protagonist verkörpert das um die Jahrhundertwende immer wieder geschilderte Lebensgefühl des "impressionistischen" Menschen.
Thorsten Valk, www.josefstadt.org

Pressestimmen

Föttinger hatte eine Königsidee: Er besetzte das Stück mit zwei alten Herren - Michael König als Protagonisten und Peter Matić als dessen Freund Max. Andrea Jonasson erscheint als Gabriele in den "Weihnachtseinkäufen". Diese Gabriele übertrifft die legendäre Paula Wessely in dieser Rolle. Jonasson verbindet virtuos die Dame des 19. Jahrhunderts mit einer aus der Gegenwart.
(Die Presse)

Die Damen haben das Sagen. Königs Anatol changiert wie die Seidendessous zwischen denen er sich beweg. Dieser Anatol nimmt im amourösen Rollenspiel mit Begeisterung die des Opfers ein. Katharina Straßer gibt die Annie als grandiose "Fehlbesetzung" in Adidas-Buxe und mit Pudelhaube, ohne hart antrainierter Ballerina-Attitüde, sondern als lustig-aggressive Prolet-Berserkerin. Sie spielt ein Vorstadtkabarettstückchen. Sandra Cervik ist als Ilona die elegante Domina-nte, die dem Herrn einen Herrn zeigt.
(Mottingers Meinung)

Peter Matić zeigt als Max mit diskreter Präsenz eine unnachahmliche Schnitzler-Figur, einen verschmitzen Sir. Andrea Jonasson erteilt als Gabriele eine Lektion perfekter Schnitzler-Interpretation.
(Wiener Zeitung)

Mit der Demontage der Borniertheiten von vor 100 Jahren ist dem Wiener Josefstadt-Theater ein Kunststück gelungen: Schnitzlers "Anatol" erstrahlt in neuem Glanz. Gefeiert wird ein Sieg des weiblichen Prinzips. Anatol (Michael König) ist rapide gealtert. Zusammen mit dem Stichwortgeber Max (Peter Matić) sitzt er als außer Dienst gestellter Salonlöwe am Tischchen und raucht. Turrini und Föttinger haben die Szenen erfrischend neu zusammengehängt. Die "süßen Mädeln" sprühen vor Säure.
(Der Standard)

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