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Wie frivol seid ihr fünf Vorstadtweiber wirklich?, BILD, 31.05.2015

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BILD,

Eh bescheuert, Frankfurter Rundschau, 05.05.2015

Die extrem österreichische Serie „Vorstadtweiber“ lässt kein Klischee aus, aber unterhaltsam ist das schon. Auch die ARD muss sich von der Serie einiges versprechen, sie legt sie auf den beliebten und der ARD eigentlich in der Publikumsgunst fast immer sicheren Dienstagabend.

tab content Es gab schon auch österreichische Kritiker, denen die „Vorstadtweiber“ zu simpel karikiert vorkamen. Darauf basiert allerdings der ganze Witz einer Serie, gegen die „Kir Royal“ ein subtiles Meisterwerk war. Nur vordergründig orientiert sich der Anfang des Jahres in Österreich sehr erfolgreiche Zehnteiler (eine zweite Staffel ist angekündigt) an der US-Serie „Desperate Housewives“. Auch hier wird zwar grauenhaft viel eingekauft und dermaßen kreuz und quer betrogen, dass Zuschauer ihre biedere Seite entdecken können. Zugleich geht es aber hinab ins Gekungel, wobei unter den Männern der Vorstadtweiber die einschlägigen Berufe vertreten sind, aus Politik, Wirtschaft, Finanzwesen.

Uli Brée (Drehbuch), Sabine Derflinger und Harald Sicheritz (wechselweise Regie), die etliche der Fellner-Eisner-Tatorte geschrieben beziehungsweise inszeniert haben, sind darin erfahren. Sie kennen sich auch aus, wie man ebenfalls aus dem Tatort weiß, wenn es um den Umgangston unter Wienern geht, den der gebürtige Dinslakener Brée seit Jahrzehnten mit dem Restabstand des einstigen Fremdlings studieren kann. Tatsächlich würden die „Vorstadtweiber“ nicht funktionieren, kein bisschen, wenn es keine Wiener Vorstadtweiber wären.
Erst der sprachliche Einschlag erfüllt die Dialoge mit der abgrundtiefen, enthemmten Wurschtigkeit, ohne die sie fade und auch problematisch wären. Schaurigen Klischees über Frauen stehen schaurige Klischees über Männer gegenüber, die jedenfalls die Frauen haben, die sie verdienen. Auch die ARD muss sich von der Serie einiges versprechen, sie legt sie auf den beliebten und der ARD eigentlich in der Publikumsgunst fast immer sicheren Dienstagabend. Zum Doppelfolgenstart kann man sich anschauen, wie es ausgeht: Mit einer Beerdigung und einem Auftritt der Kriminalpolizei auf derselben.
Dann wird langsam entwickelt, wie das passieren konnte. Man sieht, wie ein paar verheiratete und gutsituierte, aber nicht gerade gediegene Frauen sich darauf verlassen, dass ihre Männer schon auch fürderhin Geld für sie verdienen werden. Eine fünfte ist indes verlassen worden und schlägt sich jetzt so durch. Sie hat studiert, ist gar nicht schlecht qualifiziert. Aber die Mitarbeiterin auf dem Arbeitsamt will dann wissen, was sie seit 2007 gemacht habe, weil da doch eine beträchtliche Lücke sei. „Shoppen“, sagt die Frau. So kommt bei einer lakonischen Sexspielzeugparty am Nachmittag das Thema auf  Eheverträge. Eine sagt noch, sie habe gedacht, dass bei einer Scheidung ohnehin immer die Männer zahlen müssen. Das Kleingedruckte in Eheverträgen, zeigt sich, kann einem Vorstadtweib finanziell aber das Genick brechen. Gemütlich wird nun nach und nach ausgeführt, dass es um keine der Ehen gut steht. Die Frauen, kalt und gut gespielt von Martina Ebm, Gerti Drassl, Nina Proll, Maria Köstlinger und Adina Vetter, halten sich fit und auf dem Laufenden, geben Geld aus und betrügen ihre Männer, wo sie können. Umgekehrt ist es in etwa genauso. Auf dem Golfplatz und bei der Cohiba bahnen sich zudem unseriöse Machenschaften an. In Österreich war „Vorstadtweiber“ offenbar Gesprächsthema und auch ein bisschen skandalös. Dass der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in einer Szene mit dem Wort „schwul“ in Verbindung gebracht wurde, war zwar in der dann ausgestrahlten Fassung gestrichen, in den Untertiteln für Gehörlose kam es aber noch vor. Da war was los.

 

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Judith von Sternburg, Frankfurter Rundschau, http://www.fr-online.de/tv-kritik/tv-kritik--vorstadtweiber--eh-bescheuert,1473344,30619090.html